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Narodowe Muzeum Morskie w Gdańsku

Aktuelle Sprache:

Niemiecki
Museumskomplex auf der Insel Ołowianka

"Seeschlacht" - theatralische Konvention und Reichtum an Details

20.05.2017 |

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"Seeschlacht" - theatralische Konvention und Reichtum an Details

Das Nationale Maritime Museum in Gdańsk sammelt die mit der maritimen Geschichte verbundenen Denkmäler. Als eine der Prioritäten im Bereich des Aufbaus der Sammlung der Malerei gilt seit der Gründung die Schaffung einer Kollektion der alten Schule der holländischen Malerei, die so entwickelt wird, dass sie einen synthetischen Überblick über den wichtigsten Strömungen und Leistungen der holländischen Marinemaler bildet.

"Dank der Finanzierung vom Ministerium für Kultur und nationales Erbe bereicherte sich unsere Sammlung um ein hervorragendes Werk. Das ist das erste monumentale Schlachtengemälde in unserem Museum, das auf dramatische und ausdrucksvolle Art und Weise das Gefecht zwischen den christlichen und türkischen Flotten darstellt und sich durch den Reichtum an die mit der Technik des Seekriegswesens verbundenen Details auszeichnet", sagt der Direktor des NMM, Dr. Ing. Jerzy Litwin. "Während der Nacht der Museen (20-21. Mai) wird das Gemälde in der Ausstellung im Hauptsitz des Museums – in den Speichern auf der Insel Ołowianka, im Raum des Waffenlagers ausgestellt, wo die Sammlung der Schiffsbewaffnung aus dem 17. Jahrhundert präsentiert wird".

Aussagekraft des Bildes
Das Gemälde unter dem Titel "Seeschlacht" wurde von den Experten auf das 17. Jahrhundert datiert und aufgrund der Analyse der malerischen Stilistik mit der holländischen Schule verbunden. Auf dem Gemälde wird eine Seeschlacht mit Galeeren und Segelschiffen unter türkischen und christlichen Flaggen dargestellt. Im Vordergrund wird das Gefecht von zwei Galeeren abgebildet – einer christlichen und einer türkischen, und im Hintergrund – zwei kämpfende Segelschiffe. Rundherum bis zum fernen Horizont sind mehrere andere Segel- und Ruderschiffe zu sehen.

"Die Aussagekraft des Gemäldes liegt in der künstlerischen Meisterschaft des Schöpfers, der imstande war, die auf mehreren Hintergründen abspielende Schlacht mit der ganzen Dramatik und Detailreichtum zu zeigen", betont Dr. Monika Jankiewicz-Brzostowska aus der Abteilung für maritime Kunst. "Wir sehen alle Merkmale der traditionellen Schlachtenmalerei: beeindruckende Gestalten der kämpfenden Schiffe, gehüllt in Rauch nach den Artillerieschüssen, aufgeblähte Segel an den Masten und die flatternde Flaggen, aber auch die Reihen der Kämpfenden an Bord der zwei Schiffe im Vordergrund – die mit Musketen aufeinander zielen, Schüsse abfeuern oder sich gegenseitig mit Waffen bedrohen. Wir sehen auch die Opfer – einige, die von dem Geschoss getroffen wurden und in die Arme der Waffenbruder fallen, oder solche, die vom Schiff gefallen sind und im schäumenden Wasser zwischen den Galeeren ums Leben kämpfen, darunter auch einer mit der blutenden Wunde nach der abgeschnittenen rechten Hand. Im Wasser driften die Leichname der Gefallenen".

Dr. Monika Jankiewicz-Brzostowska betont, dass die barocke, etwas theatralische Konvention des Gemäldes den Besuchern gefallen kann. Dieser Effekt entsteht durch die sorgfältige Genauigkeit bei der Darstellung der Gestalten der Schiffe, Dramatik der Kampfteilnehmer, Reichtum der dargestellten Kleidung, mit der Impastotechnik akzentuierte wertvolle Gewebe oder die Details der Ornamente. Von der Klasse des Autors zeugt auch die Tatsache, dass die Vielzahl von Details den dramatischen Effekt und die geschmackvolle Ästhetik der Komposition nicht beeinträchtigt.

Leider konnte bis heute nicht festgelegt werden, welche Seeschlacht auf dem Gemälde dargestellt ist.

Das Gemälde und Polen
Die Teilnahme der türkischen Galeeren in der dargestellten Schlacht macht das Gemälde auch im historischen Kontext sehr interessant. "Die Republik Polen führte zwar Landkriege mit der Türkei, aber die festgenommenen Polen oft in Gefangenschaft als Galeerensklaven gerieten", betont Dr. Jankiewicz-Brzostowska.

Den Beweis dafür stellt das gegen 1655 entstandene Votivbild aus der Kirche der Heiligen Maria Magdalena und des Heiligen Bischof Stanislaus in Szczepanów dar, auf dem die Muttergottes die Ruderer auf der türkischen Galeere in ihre Obhut nimmt. Sechs von ihnen wird mit polnischen Namen identifiziert. Aus der Aufschrift geht hervor, dass der Stifter des Bildes von Tataren nach der Schlacht bei Korsun (26. Mai 1648) festgenommen wurde, und dann als Galeerensklave nach Konstantinopel gelang. Auf der Galeere verbrachte er sieben Jahre und nach der Befreiung stiftete er das schöne Gemälde. Die Reproduktion dieses Bildes befindet sich in der Dauerausstellung des NMM in den Speichern auf der Insel Ołowianka. Ähnlich war die Genese des Modells der Feluke, das den Innenraum des Danziger Artushofs schmückt. Nach Feststellungen der Historiker geriet ihrer Schöpfer in die türkische Gefangenschaft in einem der venezianischer Güter. Als er fünf Jahre später freigekauft wurde und unter Obhut der Danziger Seglerzunft geriet, revanchierte er sich bei den Wohltätern, indem er das Modell des Wasserfahrzeuges baute, auf dem er als Galeerensklave dienen musste.

"Man kann vermuten, dass die Ruderer auf der türkischen Galeere, die sich im Vordergrund auf dem Bild "Seeschlacht" befinden, auch Gefangene sind. Darauf deutet die Tatsache hin, dass ihre Köpfe bloß sind, im Gegensatz zu den türkischen Soldaten, die auch wenn sie sinken, in den Turbanen geschildert wurden. Charakteristisch ist auch die Geste des türkischen Soldaten, der niederkniet und deutlich mit dem Stab ausholt, als ob er die Ruderer zu größerer Anstrengung zwingen oder die Disziplin wiederherstellen wollte", betont Dr. Jankiewicz-Brzostowska.


Finanziert aus Mitteln des Ministeriums für Kultur und nationales Erbe.

 



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